Linux: Die Freiheit unfrei zu sein

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Mit Respekt muss man festhalten, dass Linux ein Kind des Internet ist. So wie der Scheibenwischer ohne eine Erfindung des Automobils oder die Erfindung der Dampfmaschine ohne die Entwicklung der Thermodynamik kaum denkbar, ist die Technik des 21.Jahrhunderts das Internet und sein eindeutiger Spross: das Linux.

Ob es technisch ein Lichtjahr-Sprung nach Vorne in der menschlich-technischen Entwicklung ist, sei mal dahingestellt, aber vielmehr interessiert doch hier die vielzählige Verzahnung dieser Technik! So zeigte sich das Internet zufällig aus der Ecke eines Labors um Spickzettel zu ersetzen, oder besser noch, sie durch eine gänzlich andere Sprache (HTML) zu ersetzen und die Vernetzung im Haus und über die Häuser hinweg zu ermöglichen. Protokolle entstehen, Kabel-Standards werden entwickelt, Geschäftsmodelle, Stromversorgung – auf der Suche nach einer Angebot-Nachfrage-Strategie um diese Technik, wie auch immer, gewinnbringend einzusetzen – alles dies gebiert auch einen neuen Willen: die Freiheit.

Eben nicht als Sklave dieser Technik und seinen Monster-Unternehmen zu verfallen, sahen sich einige in der Pflicht, eine Technik zu entwickeln, die über diesen Dingen, Strukturen und Entwicklungen stand. Wer jetzt gleich an Linus denkt, ist nicht ganz so abwegig, aber Minix als besseres Schulsystem zu entwickeln, weil das Geld für die Studiengebühren (anstelle einer Software von AT&T) herhalten muss ist noch nicht der Paulus der Freiheit den wir suchen.

Und so begab es sich an der Zeit…. das die GNU Foundation [1] zwar freie Tools aber kein Betriebssystem, und Linus ein OS aber keine Tools hatte. Weiterentwickelt wurde der ganze Spass über das Internet und heraus kam: Linux (oder eben GNU/Linux). Ein umfangreiches Modell um umfassend Freie Technik und Freiheit zu diskutieren…

Fassen wir zusammen: Mit der Entwicklung des Internets, kam Linux, fand die GNU-Foundation (als hehrer Vertreter der Freiheit) einen Teppich und damit folgten – nicht wie bei dem anderen OS aus Richmond – fragen, die dieser neuen Technik angemessen sind: Wenn alles Offen ist, wenn alles Wissen zentralisiert und ausgewertet werden kann, wenn einige ein Monopol haben: Was erhält oder wie erhalte ich meine Freiheit? Nun, seien wir ehrlich. Sollte jemand seine Daten in das Internet gestellt haben, ist er nicht mehr frei (von etwas) um über diese zu entscheiden. Wenn jemand einen Code schreibt, ist er mit Herausgabe des Quellcodes nicht mehr frei, ihn zurück zu ziehen. Und so finden sich selbst für den einfachsten Mitdenker zahlreiche Beispiele, in dem die Freiheit sein Ende findet.

Was aber, wenn wir alles unter der Absicht geschehen lassen, dass wir es in frei-er Absicht schaffen? Die Idealisten unter meinen Lesern werden gleich aufschreien: „JA, JA!“ und ganz eifrig bestätigen, dass das Bewußtsein (der Freiheitsgedanke) das Sein bestimmt. Die Materialisten werden sich empören und es genau anders herum sehen – das Sein bestimmt das Bewußtsein – und mir erwidern, dass alles im Kapitalismus erzeugte, auch den kapitalistischen Gesetzen (der materiellen und geistigen Ausbeutung) unterliegt. Die Pragmatiker (Wahr ist was funktioniert!) werden sich zurücklehnen und darauf verweisen, dass sich Linux und der GNU-Gedanke (an freier Software) etabliert und z.B. die Lizenz-Diskussion hilfreich war. Also was nun? Was bedeutet nun „Freiheit“ in Bezug auf unsere Technik und dem Arbeiten damit? Ist Freiheit geboren worden? Hat es sie nie gegeben? Können wir sie erobern oder befreien?

Ich werde mich hüten, die salomonische Antwort zu geben, den rhetorischen Schwertstreich, mit dem alles Beantwortet ist! Allerdings halte ich es für wichtig, solche Fragen zu betrachten! (Wenn wir nicht ganz die Lust am Internet – und seinen zunehmenden  (!) Reglementierungen – verlieren wollen.)

http://www.gnu.org/philosophy/philosophy.de.html

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