Ägypten: Haben Admins keine Eier?

Natürlich wollen wir unseren Job als Administrator behalten. Natürlich sind die meisten in der Branche Auftragnehmer, Leiharbeiter, abhängig Beschäftigte und auf das Geld angewiesen. Kunden verlangen was – Kunden bekommen es. Give the people what they want. Und wenn der Kunde sagt, kappe mal die Route zur großen, weiten Internetwelt, dann macht man das! Wer bezahlt, bestimmt die Musik. Und was unterscheidet heute Admins von dem Eisenbahner im Faschismus, der nur „auf Kundenwunsch“ die Gleise Richtung KZ umgestellt hat? Der Eisenbahner wird damals genauso argumentiert haben: Lohnverlust und Strafverfolgung wenn ich nicht die Gleise nach Auschwitz, Bergen Belsen oder Majdanek umlege! Und was ist der Unterschied zum Admin heute? KEINER. Aber wie komme ich auf so einen Vergleich??

Gerade habe ich auf heise.de [1] einen Artikel zum Thema Ägypten gelesen – Wir erinnern uns? Es ist Januar 2011 und in Tunesien hat die Bevölkerung mit einen Volksprotest gerade den Präsi in die Wüste geschickt und die Bevölkerung Ägyptens will da nicht nachstehen. Wenn man bedenkt, dass Ägyptens Präsi seit 1981 an der Macht ist und seit 1981 der Ausnahmezustand im Land herrscht ist das eigentlich auch verständlich. Aber wie macht man das? Man geht auf die Straße! Demonstrationen und Solidaritätsaktionen. Und was hat das mit dem Admin zu tun??

Damit sich die Leute alle am gleichen Platz treffen, braucht man ein Kommunikationsmedium: Früher waren das bestimmt Flugblätter und Telefonketten – heute spielen soziale Netzwerke im Internet (facebook, twitter) und das Handy eine entscheidende Rolle. Und so auch in der jetzigen Phase in Ägypten! ABER, der Präsi ist schlau und hat natürlich schon zu „Glanzzeiten“ seiner Herrschaft die Mediengesetze entsprechend umgestaltet, so dass er jetzt in Ruhe sagen kann: Schaltet die Router ab! Das ist gesetzlich OK! Ich bin Euer (der Mediengesellschaften und Provider) Kunde! Give the people what they want! Und wer geht jetzt an den Cisco Router und schaltet die Routen ab? Der Präsi?? Ach nein, der arbeitswillige, bezahlte ADMIN! Der denkt sich: Klar mach ich, ist ja nur eine technische Angelegenheit, ich schieße ja nicht auf Menschen, ich töte ja keinen und ist ja mein Job …

Die Polizei koordiniert sich über den Funk und die Demonstranten können sich NICHT per Handy warnen, dass der Platz, auf dem sie sich versammeln wollen, mit Benzin überschüttet ist … Der Fantasie sind jetzt keine Grenze gesetzt!

Und was macht der Admin? Nachdem er seinen Befehl am Cisco Router abgeschickt hat und die Internet-Struktur eines ganzen Landes (in unseren Falle die von Ägypten) ins internet-technische Aus geroutet hat, geht er wieder an seinen Platz und fachsimpelt mit seinen Kollegen darüber, ob Windows7 wirklich ein so großer Fortschritt ist – Respekt Admin! Die Weichen sind gestellt! Der Präsi kann jetzt mit seiner Prügelgarde toben und kein Mensch sieht es im Internet und weil das Handy-Netz auch gleich aus ist, können sich die Demonstranten auch nicht warnen. Give the people what they want!

Und in diesen Bild ist der Eisenbahner mit seiner Weiche im Faschismus und der Admin mit seinen Router in der Neuzeit garnicht so weit auseinander: Es ist kein grundlegender sondern nur ein gradueller Unterschied!

Und wie weit geht das? Wie dick müßen die Eier der Admins sein, damit sie nicht nur an der Gängelleine des Kunden „Präsi“ hängen? Wann steht mal ein Admin selbstbewußt vor seinen Router und sagt „der wird nicht abgeschaltet, damit sich das Volk mobilisieren kann“? Admin, denke an deine Wurzeln! Du bist auch Volk! Am Ende ist sonst keiner mehr da, der über solche Machenschaften berichten kann …

Die Welt für uns! Frei von Tyrannei!

| Quellen: [1] [2] [3] [4] [5] [7] | Bildquelle: [1] | passende 3sat Reportage |

[UPDATE]

2012: Diesmal Syrien – das „Internet kappen“ muss in einen Handbuch für Diktatoren stehen.

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