Apple: Gewissen im Ram

Seien wir ehrlich: Schauen wir uns nach einen neuen Tablet oder MDA um, interessieren uns die Herstellungsbedingungen herzlich wenig. Kinderarbeit findet natürlich niemand gut, Lohndrückerei machen nur die anderen und die eigenen Arbeitsbedingungen sind ja auch nicht die Besten. Letztlich will man sich auch den Spass an der neuen Technik nicht verderben lassen… Aber: Gibt es auch Gewissens- Grenzen? 

In den 70er und 80er Jahren gab es noch die Apartheid in Südafrika, Rassentrennung, Lynchjustiz gegen Farbige und natürlich Getthos. Die weltweite Öffentlichkeit hatte eine gewisse Solidarität mit der Anti- Apartheid- Bewegung und so entwickelten sich auch einfache Widerstandsformen in der industrialisierten Welt. Ich erinnere mich, dass es in meinen Bekanntenkreis verpönt war, Früchtedosen aus Südafrika zu kaufen, weil einer der größten Dosenobsthändler aus Südafrika beliefert wurde – und natürlich in weißer Hand war/ist. Hatten diese Boykotte ihre Wirkung?

Gerade habe ich einen Artikel [1] auf golem.de gelesen, in dem beschrieben wird, dass die Falun-Gong-Sekte Cisco verklagen will, weil Cisco der chinesischen Regierung geholfen haben soll, ein Zensur- und Überwachungssystem einzurichten. Davon abgesehen, dass Cisco dabei nur das Geld und darin bestimmt kein moralisches Problem sieht, steht es in guter Tradition mit anderen IT-Unternehmen, die mit den Mächtigen der Welt Geschäfte machen. Schon IBM hatte sich in den 30er mit Nazi-Deutschland geeinigt, „Zählmaschinen“ zu liefern, die eine effektive Auswertung von Volkszählungsdaten und dadurch eine schnellere Erfassung von Juden ermöglichte. [2]

Foxconn, manchen IT- Interessierten als Mainboard-Hersteller bekannt, ist ein recht großer Auftragsfertiger für verschiedene Unternehmen der IT- und Unterhaltungsindustrie, wie z.B. HP und Microsoft. Bei Foxconn sind ca. 1,2 Millionen Mitarbeiter beschäftigt.

Das wohl bekannteste Produkt, welches bei Foxconn hergestellt wird, ist Apple’s iPad und iPhone. Der Arbeitsdruck ist bei der Nachfrage dieser Geräte enorm: 6 Tage-Woche, 10-12 Stunden am Tag. Der Lohn wird im Unternehmens-eigenen-Supermarkt wieder abgegeben und demnächst werden Arbeiter-Silos gebaut, damit der Lohn als Miete wieder zurückfließt. Und alles mit Sonderförderungen und Steuergeschenken – zugegeben: vermute ich. Und? Eigentlich alles im grünen Bereich, wenn sich nicht dauernd arbeitsmüde Menschen vom Foxconn-Dach in den Tod stürzen würden, oder Menschen nur mit Einwilligung des Vorarbeiters auf das Klo dürften und der Brandschutz hoffentlich nicht wirklich überall im Foxconn-Werk so missraten ist, dass bei einen Brand gleich 3 Arbeiter sterben. [3] [4]

Schwarzmalerei? Aber natürlich! Was wäre pilgermaske für ein blog, wenn es nicht im ganzen Hype der iPads und iPhone’s, den großartigen Präsentationen der digitalen Mega-Messen in den globalen Hauptstädten und den Kilometer-langen Schlangen vor irgendwelchen bunten Apple- Super- Store’s bei Neuerscheinungen Schwarzmalerei betreiben und mit dem moralischen Finger auf das Offensichtliche zeigen würde? Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn sind beschissen!

Um es einfach zu sagen: Ich glaube nicht, dass der Obstdosen-Boykott in den 70er und 80ern das Apartheid-Regime gestürzt hat, aber es war ein moralischer Finger der auf die Verhältnisse in Südafrika zeigte und dadurch half, Bedingungen anzuprangern und Veränderungen einzuklagen! Und so wünsche ich mir das mit den Foxconn’s und Apple’s dieser Welt: Sie werden mit uns und auf Kosten anderer Menschen Geld verdienen, bis der moralische Finger zeigen wird, dass es so nicht mehr geht. Ein Boykott irgendwelcher Geräte ist nicht realistisch – aber berechtigte Fragen auf der Klickibunti-Messe am Stand der Unternehmen sollten wenigstens eine kleine Solidarität formulieren helfen und Herstellern zeigen, dass (im heutigen Rahmen) menschen-würdige Produktionen auch ein Verkaufsargument sein können, besser: müßten.

Zur Erinnerung: „Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur ein Werk der Arbeiterklasse selbst sein!“

[UPDATE]

Na bitte, der moralische Zeigefinger wirkt schon : Artikel auf heise.de

| 1 Artikel auf golem.de | 2 IBM | 3 Artikel auf heise.de | 4 ebenfalls heise.de | 5 Bericht einer chinesischen Studenten und Schüler Organisation | Bildquelle: fr-online.de

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