Aller Anfang ist leicht: Welches Linux?

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Computerzeitungen werfen uns DVD’s mit Linux in Massen nach. Auch das kostenlose Linux zum download auf den jeweiligen Linux Seiten ist verlockend. Und eigentlich will mensch auch keine Lizenz für irgendeine Software kaufen. Also: Warum eigentlich nicht? Teste ich doch mal Linux – und das ist auch erst einmal eine gute Entscheidung! Aber wie fange ich an? Und so soll dieser Artikel eine kleine und einfache Hilfestellung für einen Linux Einstieg geben.

Linux ist ein Betriebssystemkern. Dazu laden sich verschiedene Projekte (Distributoren) den Kernel von der Kernel- Projektseite herunter und ergänzen diesen mit verschiedenen Befehlen und Anwendungen, dazu noch eine einfache Installationsroutine, eine Grafische Oberfläche für den Anwender und einen tollen Namen – schon haben wir eine Linux Distribution zum runterladen und installieren.

Warum gibt es aber so viele verschiedene Linux Distributionen? Eine einfache Antwort ist natürlich: Warum nicht? Wenn wir aber die Linux Projekte genauer untersuchen, gibt es natürlich auch klare Motivationen für die verschiedenen Linux Distributionen. So könnte z.B. ein Schwerpunkt auf Film- und Bildbearbeitung für eine Distribution wichtig sein. Aber ich sollte hier nicht in der Linux Geschichte schwelgen – dazu gibt es Bücher und auch recht ausführliche Wikipedia Artikel. Wer etwas zum schmunzel sucht, kann sich auch mal die Linux Zeitleiste anschauen. Fassen wir mal zusammen, was Linux Distributionen unterscheidet.

Die Linux Hitparade

Es gibt Linuxer, welche meinen , daß dieses oder jenes Linux schwerer zu beherrschen ist. Nun ja, was für den Einen schwer ist, muss für den Anderen noch lange nicht schwer sein. Aber sich gleich einen Frust zu organisieren ist auch nicht sinn- fördernd! Deswegen empfehle ich immer die ersten 10 Distributionen der Linux Hitparade auf DistroWatch (Rechts-unten). Diese Hitparade ist natürlich nicht Statistisch-fundiert zusammengesetzt, sondern ergibt sich aus den Downloadzahlen der verschiedenen Distributionen und spiegelt sicherlich fundierte Trends in der Linux Gemeinde wieder.

Besuche die Webseite einer dieser Linux Distributionen und lade das angebotene Linux Image herunter, brenne es auf DVD und boote von diesen Datenträger. Nach einiger Zeit erscheint eine nutzbare Oberfläche – damit nutzt Du die Installations- DVD als sogenannte ‚Live‘- DVD. Diese Vorgehensweise bietet Dir das Testen der verschiedenen Linux Distributionen ohne(!) Installation. Die Live- Umgebung ermöglicht Dir z.B. verschiedene Hardware (Drucker, TV Stick, Grafikkarte, usw.) mit deinem gewählten Linux zu testen. Feine Sache. Beachte aber: Nach einen Neustart sind alle Einstellungen wieder verloren.

In dieser Hitparade (Stand: Dez. 2014) spiegeln sich auch grundsätzliche Vorlieben der Linux Gemeinde: So bildet z.B. Mint, Ubuntu, Debian einen ‚Block 1‘ und OpenSUSE, Mageia, Fedora, CentOS einen ‚Block 2‘. Arch Linux stellt noch eine besondere Machart einer Linux Distribution dar. Ich empfehle eine Distro aus einen der Blöcke.

Paketformate: rpm oder deb

Bei der Wahl einer dieser Distributionen wird eine fundamentale Weiche für den weiteren Gebrauch gestellt: Block 1 benutzt das .deb Paketformat und Block 2 das .rpm Paketformat! Kurz: In diesen Format ist die installierbare Software hinterlegt. Und die Entscheidung für eines dieser Paketformate führt zu verschiedenen Befehlen zur Paketverwaltung. Das ist nicht weiter schlimm, weil diese Befehle zur De-/Installation und Aktualisierung von Software relativ überschaubar und einfach in der Nutzung sind.

Wurde aber im Internet eine brauchbare Dokumentation gefunden, mit der relativ einfach ein interessantes Projekt umgesetzt werden kann, dann könnte die Entscheidung für das dokumentierte Paketformat natürlich eine Erleichterung darstellen. Sind keine Projekte im Vorfeld geplant, sondern einfach nur die Installation und Nutzung als häuslicher Windows- Ersatz, ist die Entscheidung für eines dieser Paketformate eher eine akademische Entscheidung. Ich bevorzuge Distributionen die das .deb Format nutzen (Block 1).

Grafische Oberflächen

Grafische Oberflächen können ebenfalls eine Entscheidungshilfe für eine Linux Distribution sein. So gibt es z.B. Gnome, KDE, Unity, Mate und andere. Jetzt eine Grundsatzdebatte zu führen, welche GUI (Graphical User Interface) die bessere Oberfläche zum arbeiten ist, scheint mir nicht sinn-fördernd. Allerdings kann man auch in diesen Bereich ein grobe Einordnung vornehmen: So war es im Gnome Projekt immer eine Zielsetzung, dem Anwender eine GUI zu bieten, die – im doppelten Sinne – einfach funktioniert und nur die einfachsten Konfigurations- Möglichkeiten bietet. KDE ist dazu der Gegenpart: Wenn die Befehle und Anwendungen schon viele Optionen bieten, dann sollte man sie auch in der GUI anbieten. Andere GUI’s (z.B. Unity, Mate) empfehlen sich zwischen diesen beiden Projekten: ästhetisch und funktional. Einfach mal verschiedene Live- DVD’s ausprobieren oder eine andere GUI installieren. Ein Thunderbird oder OpenOffice läuft so oder so.

Mit der Entscheidung für eine bestimmte Linux Distribution, ist natürlich eine Installation von verschiedenen gängigen Anwendungen je nach Vorliebe des Distribution Team’s gegeben. So kann ein LibreOffice oder ein OpenOffice oder ein Koffice oder ein Thunderbird oder ein Kontact gegeben sein … Letztlich ist es aber ein Faktor, der nur wenig wiegt, da normalerweise persönliche Vorlieben nachinstalliert und als Anwender Standard definiert werden. Schau Dir einfach die Live- DVD genauer an und Du siehst, welche Anwendungen deine/diese Linux Distro vorgeben würde.

Codec, Player und Treiber

Ohne Codec und Player geht garnichts! Klar, Filme schauen und Musik hören sollte out-of-the-box funktionieren. Leider vergessen wir immer, dass auch bei alten Windows Versionen kein brauchbarer Codec installiert war, der kopier-geschützte (also verschlüsselte) FilmDVD’s abspielen konnte. Eine ähnliche Situation haben wir unter Linux: Verschiedene Codec installieren ist nicht das Problem – es werden genug angeboten und eigentlich alle üblichen und auch exotische Filmformate unterstützt. Nur die Entschlüsselung des Filmmaterials ist das Problem! Für die Entschlüsselung von Filmmaterial ist die Bibliothek libdvdcss notwendig. Diese kann aber aus Rechtlichen Gründen nicht mit Linux ausgeliefert werden.

Nun gibt es aber Linux Distributionen, die auch als Grundlage für kommerzielle-buisness Produkte dienen und daher einer besonderen Rechtssicherheit bedürfen (siehe Fedora Linux -> RedHat). Deswegen haben es die Linux Distributoren mehr oder weniger einfach gemacht, Codecs und CSS zu integrieren. Natürlich gibt es auch Distros, die es mit dem Rechtlichen nicht so ernst nehmen: Nicht umsonst liegt Mint Linux auf erster Stelle der Linux Hitparade (Stand: Dez. 2014). Nach meinen Geschmack geht da Ubuntu Linux sehr ausgewogen vor. Es installiert brisante Pakete nicht mit, bietet aber für den Anwender relativ einfache Möglichkeiten, diese auf Eigener Verantwortung nach zu installieren.

Von Codecs zu Treibern ist es unter der vorgenannten Betrachtung nur ein kleiner Sprung: Auch hier gilt für Linux Distros, einige Rechtliche Hürden zu beachten, um z.B. Grafikkartentreiber oder Firmware zu integrieren. Und auch hier liegt es am Geschick und der Einsicht der Linux Entwickler Teams, die Integration relativ Anwender-freundlich umzusetzen und trotzdem Rechtlichen Zwängen gerecht zu werden. Auch bei diesen Thema ist Ubuntu mein Favorit.

Fazit

Letztlich sollte die Frage, welche Linux Distro es werden kann, keine akademische Diskussion hervorbringen und mit den genannten Einblicken wird der Linux Distro Dschungel vielleicht auch nochmal klarer, aber für das alles Entscheidende halte ich einfach den Spass an der Sache: Setze Dich Sonntag morgens mit einer Kanne Kaffee und etwas Cool Jazz an deinen Computer und lade Dir einfach ein paar Distros herunter – z.B. die ersten 10 der Linux Hitparade auf DistroWatch – und dann teste ohne Vorbehalt. Jene, welche Spass macht, ist die Richtige und man muss ja nicht immer bei der Einen bleiben!

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